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Reformation: Sendbrief
Status: (Frage) beantwortet Status 
Datum: 15:07 Sa 02.01.2010
Autor: Kaulquappe

Hallo,
ich muss mich für das Fach Deutsch mit der Reformation beschäftigen, gezielt mit dem Sendbrief vom Dolmetschen. Dafür möchte ich gerne wissen, was ein Sendbrief eigentlich ist/war. Ist das ein ganz normaler Brief gewesen, vergleichbar mit dem von heute oder ein öffentlicher Brief, wie ein Aushang zum Beispiel oder hatte er einen urkungen artigen Charakter?
Ich konnte im Internet und in Lexika leider nichts darüber rausfinden.

Ich habe diese Frage in keinem anderem Forum gestellt.

Vielen Dank

        
Bezug
Reformation: Antwort
Status: (Antwort) fertig Status 
Datum: 15:36 Sa 02.01.2010
Autor: Analytiker

Hi du,

> Dafür möchte ich gerne wissen, was ein Sendbrief
> eigentlich ist/war. Ist das ein ganz normaler Brief
> gewesen, vergleichbar mit dem von heute oder ein
> öffentlicher Brief, wie ein Aushang zum Beispiel oder
> hatte er einen urkungen artigen Charakter?

Sendbrief, bei den Kaufleuten, diejenigen Zuschriften oder geschriebenen Nachrichten, welche sie einander von gewissen vorfallenden Angelegenheiten täglich zuschicken. Die Rechtslehrer sind der Meinung, daß solche, wenn sie vor bekannt angenommen worden, wie andere öffentliche Urkunden, besondes in Handelsstädten, einen völligen Beweis haben. -- Ueberhaupt ist Senbrief, von dem Zeitworte senden, eigentlich ein jeder Brief, ein jedes Schreiben, das an einen Andern gesandt worden, zum Unterschiede von Brief, in so fern es ehemals eine jede Urkunde bedeutete. In dieser Bedeutung ist es veraltet, und man braucht Sendbrief oder noch lieber Sendschreiben, nur noch von einem Schreiben an Mehrere, welches Einer dem Andern zusendet.

(Quelle: http://www.kruenitz1.uni-trier.de/xxx/s/ks19989.htm)

Liebe Grüße
Analytiker
[lehrer]

Bezug
                
Bezug
Reformation: Sendbrief
Status: (Frage) beantwortet Status 
Datum: 18:13 Mo 04.01.2010
Autor: Kaulquappe

Vielen Dank für die Antwort, ich hatte sie gestern schon gelesen. Habe aber ein paar Probleme mit der Grammatik in diesem Text.
Mir scheint aber, dass der Sendbrief an Mehrere gesendet wurde und als Urkunde, bzw. als Beweis galt.

Danke

Bezug
                        
Bezug
Reformation: Antwort
Status: (Antwort) fertig Status 
Datum: 22:23 Mo 04.01.2010
Autor: reverend

Hallo kaulquappe,

mit welcher Grammatik hast Du denn Schwierigkeiten? Bezieht sich das auf das Zitat, das Analytiker Dir gegeben hat, oder aber auf die Schrift Luthers?

Der folgende Text enthält keine Zitate mit Ausnahme von Publikationstiteln. Er stammt ansonsten komplett aus meiner Feder. Hoffentlich hat er keine zu hohen grammatischen Hürden. ;-)

Ein Sendbrief (oder Sendschreiben) ist – zumindest im Wortgebrauch Luthers – so etwas wie ein „offener Brief“ mit bestimmtem Adressaten, auch mehreren. Häufiger benutzt er das Wort „Sendschreiben“, so schon 1520 in dem „Sendschreiben an den christlichen Adel deutscher Nation: von des christlichen Standes Besserung“, aber auch 1525 []Sendschreiben an die Christen in Livland und im gleichen Jahr seine vierte Schrift im Bauernkrieg, []„Ein Sendbrief von dem harten Büchlein wider die Bauern“ (Auszüge).
Vergleiche auch Grimms Deutsches Wörterbuch, die Einträge []Sendbrief und []Sendschreiben. Das wäre der Ort im Internet gewesen, wo Du wissenschaftlich verlässliche Auskunft gefunden hättest.

Da auch die Schrift von 1530 betitelt ist mit []„Ein Sendbrief vom Dolmetschen“, scheint es fast, als habe Luther doch einen Unterschied zwischen Sendschreiben und Sendbrief gemacht. Man könnte postulieren, aber nur schwerlich nachweisen, dass ein Sendschreiben für ihn so etwas wie eine Enzyklika, ein Lehrbrief, ein Rundschreiben, eine Epistel war – also ein Text, der eine gewisse Verbindlichkeit verlangte und inhaltlich sowohl thetische Formulierung einer Lehre oder auch deren Apologie umfassen konnte. Dagegen scheinen die Sendbriefe eher mit den heutigen []„Denkschriften“ der EKD vergleichbar zu sein, also Diskussionsvorlagen, die die aktuelle Diskussion darlegen und dabei vorsichtig eine eigene Stellung beziehen. Vorsicht allerdings war nicht Luthers Sache, und so hilft die Unterscheidung letztlich doch nicht sehr weiter...

1825-1828 gab Wilhem Martin Leberecht de Wette in 5 Bänden „Dr. Martin Luthers Briefe, Sendschreiben und Bedenken“ heraus. Auch manche der Briefe Luthers waren in Abschrift (aber nicht gedruckt) in Umlauf gekommen, so dass diese Genre-Einteilung durchaus berechtigt ist. Heute werden die Sendschreiben und -briefe allerdings nicht unter die Korrespondenz Luthers, sondern zu seinen Publikationen gerechnet. Es sind auch nur ausnehmend wenige Briefantworten bekannt. Man darf wohl voraussetzen, dass auch die damaligen Adressaten darunter keineswegs einen persönlichen Brief verstanden, der ihre Reaktion erforderte – also genauso, wie heute ein „offener Brief“ in der Zeitung aufgefasst werden würde.

In der Sache gilt dieses sehr kurze Werk Luthers allerdings als epochal sowohl für die Übersetzungswissenschaft (so bedeutend wie Cicero oder Hieronymus, oder in neuerer Zeit z.B. Ferdinand de Saussure,  José Ortega y Gasset oder vielleicht auch Umberto Eco; Rezeption bleibt noch abzuwarten) als auch für die Werdung einer gemeinsamen deutschen Sprache. Indem er die Verständlichkeit der Sprechweise höher wertet als die philologische Vorlagentreue, verleiht er der Zielsprache ein Gewicht, das sie bis dahin nirgends hatte – unabhängig davon, um welche Zielsprache es sich handelt. Das Tauziehen zwischen der exakten Wiedergabe des Originals und der Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit für den Leser ist bis heute das prägende Thema aller Translatologie, Übersetzungswissenschaft.

Dabei erlaube ich mir als evangelischer Theologe und insbesondere Lutheraner noch einen Kommentar: vielleicht konnte Luther gar nicht anders gewichten. Sein Latein war ziemlich gut, sein Griechisch fiel dahinter offenbar schon zurück, und über seine Kenntnisse des Hebräischen wissen wir fast nichts. In der Hebraistik hat er jedenfalls keinerlei Spuren hinterlassen, obwohl das Interesse für semitische und hamitische Sprachen gerade in jenen Jahrzehnten erwachte und z.B. die ersten gedruckten Bücher in alt- und neuhebräischen Lettern (meist der sog. Raschi-Schrift) verfügbar wurden. Einen Talmud scheint Luther, auch in Auszügen, aber nicht besessen zu haben. Zu sehr waren die Buchmärkte noch voneinander getrennt, selbst die italienischen jüdischen Druckereien traten kaum in Konkurrenz mit z.B. den Antwerpenern, und bei christlichen (das heißt hier noch: katholischen) Buchhändlern, die entweder Reisende oder reiche Adlige waren, waren hebräische Drucke noch nicht präsent.

So ist auch Luthers Bibelübersetzung vorwiegend auf dem Lateinischen gegründet. Dennoch war sein Ansatz revolutionär, nämlich diese Übersetzung anhand der Ursprache zu überprüfen. Das wird er vielleicht nur zum Teil selbst getan haben, das meiste wohl in der Diskussion und Arbeit mit Menschen, die die betreffende Ursprache viel besser beherrschten als er. Darüber wissen wir wenig. Wir können es nur vermuten, auch geprägt dadurch, dass das heute eine gute Übersetzungsmethode ist: jemand übersetzt aus einer Fremdsprache in die eigene Muttersprache, und diskutiert die Übersetzung mit jemandem, der gerade die Fremdsprache als Muttersprache und die Zielsprache als Fremdsprache beherrscht, und vielleicht auch noch mit jemandem, der bewusst die Ursprungssprache nicht, dafür aber die Zielsprache in hervorragender Weise beherrscht. So arbeitsintensiv sind gute Übersetzungen. Wichtige Rechtstexte der EU werden z.B. so übersetzt.
Luthers Bibelübersetzung basiert daher selbst dann auf der humanistischen Überzeugung der Renaissance, []„ad fontes!“, wenn er keine genügende Sprachkenntnis der Ursprachen gehabt haben sollte. Er hat sich zu helfen gewusst, und für Jahrhunderte gab es keinen Grund, die Qualität seiner Übersetzung anzuzweifeln. Sie ist ja auch ein eindrucksvolles Dokument der Entwicklung einer deutschen Schriftsprache, die Nieder- und Oberdeutsch miteinander versöhnen will und in beiden Sprachgebieten verständlich ist, und zugleich ein guter Einblick in die Urtexte ohne die Brille der Septuaginta und Vulgata. Vorherige deutsche Bibelübersetzungen (deren es durchaus einige wenige gab), waren nicht von den hebräischen und griechischen Texten ausgegangen, redeten aber auch noch kein Deutsch.

Gerade in den wenigen aramäischen Teilen des Alten Testaments (und einzelnen Wortzitaten im Neuen) kann er übrigens nicht anders vorgegangen sein, da es weder Wörterbücher noch Grammatiken noch Vorlesungen etc. zum Aramäischen gab. Andererseits konnte jeder Rabbiner und überhaupt viele Juden Aramäisch: außer den weniger als 10 Kapiteln des Alten Testaments in dieser Sprache (vorwiegend bei Daniel, aber auch z.T. Esra, Nehemia) ist der größere und jüngere Teil des Talmuds, die Gemara, in dieser Sprache verfasst. Der schon erwähnte Raschi kommentierte dann Jahrhunderte später sowohl den ältesten Teil, die (hebräisch verfasste) Mischna als auch die (aramäisch verfasste) Gemara wiederum in einer jüngeren Sprachform des Hebräischen. So sind manche Übersetzungen Luthers auch wenig auf einer Erforschung des zeitlichen Kontextes begründet. Dass auch das Hebräische seiner Zeit eine lebendige Sprache war, die zeitlich deutlich weiter vom Alten Testament entfernt war als wir heute vom Mittelhochdeutschen, war ihm nicht bewusst.

So, ich hoffe, das ist genug Stoff.
Wenn nicht, oder wenn Du Fragen hast, melde Dich gern wieder. Ich bin nur im Moment wenig hier, sicher aber ein-, zweimal am Tag.

Herzliche Grüße
reverend


Bezug
                                
Bezug
Reformation: Sendbrief
Status: (Mitteilung) Reaktion unnötig Status 
Datum: 19:54 Fr 08.01.2010
Autor: Kaulquappe

Vielen vielen Dank reverend, für die ausführliche Antwort. Ich bin ehrlich gesagt etwas sprachlos. Mit nicht allen Informationen kann ich was anfangen, aber vieles kann ich verwenden und helfen mir bei meinem Referat weiter. Mehr als ich erhofft hatte.

Bezug
                                        
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Reformation: Nachtrag :-)
Status: (Mitteilung) Reaktion unnötig Status 
Datum: 02:14 Sa 09.01.2010
Autor: reverend

Hallo Kaulquappe,

gern geschehen. Danke vor allem, dass Du Dich nochmal meldest. Dann weiß ich, dass der Aufwand nicht vergebens war - und so viel Mühe war es übrigens nicht, wie es vielleicht aussieht.

Mir ist nicht ganz klar, was genau das Ziel des Referats im Fach Deutsch ist. Luthers Ansatz "dem Volk aufs Maul schauen" (was so nicht in Deinem Text steht, aber ein Standardzitat ist) ist letztlich genau das, was der Ansatz des "Duden" war, jedenfalls bis zum Beginn der letzten Rechtschreibreformwelle: er stellte nur fest, was gebräuchlich war, und setzte keine Regeln fest, sondern leitete sie höchstens aus dem Sprachgebrauch ab (deduktive Vorgehensweise). Das hat sich mittlerweile leider ein wenig geändert.

Luthers Bibelübersetzung - weit mehr als seine anderen Texte, vielleicht mit Ausnahme des "Kleinen Katechismus" - war andererseits auch sprachprägend. Man konnte auf einmal nachlesen, was "normal" war. Manche biblischen Formulierungen, genauer gesagt viele, wurden zu Redewendungen. Das bekannteste Beispiel ist "Perlen vor die Säue werfen" (Matthäus 7,6), gefolgt von "sein Licht unter den Scheffel stellen" (Matthäus 5,15). Manchmal gab der Volksmund auch später noch den metrischen Schliff: "Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein" ist die Zuspitzung des Gedankens und der Formulierung von Prediger 10,8 und Sprüche 26,27. (Im katholischen Sprachgebrauch heißt der Prediger Kohelet, und die Sprüche heißen Sprichwörter)

Es gibt aber Hunderte solcher Redewendungen, die aus Luthers Übersetzung stammen und belegbar vorher nicht gebräuchlich waren.

Im "Sendbrief vom Dolmetschen" begründet Luther, warum er nicht philologisch, wortgetreu, im Literalsinn übersetzt, sondern so, dass das gemeine Volk es versteht: das war ja sein Ziel. Ein moderner Vergleich ist der Ansatz der Bild-Zeitung, mit einem möglichst geringen Wortschatz volksnah zu schreiben, so dass auch Menschen mit niedrigem Sprachniveau die Texte verstehen. Man nimmt lieber leicht nachzuvollziehende Neologismen, Wortneubildungen, in Kauf, als schon bestehende Fachbegriffe zu verwenden. Oft wird behauptet, "Bild" käme mit einem Wortschatz von 500 Wörtern aus, aber eine schnelle Zählung zeigt, dass das nicht Realität, sondern eher eine Zielsetzung ist. Der Wortschatz der Lutherbibel ist deutlich höher; in den späteren Überarbeitungen wurde er z.T. sogar noch vergrößert (aus zoologisch-taxonomischen Gründen wurde sogar aus dem nicht seltenen Hasen der korrekte "Klippschliefer". Den hätte Luther gar nicht gekannt).

So, bevor ich noch ins Erzählen komme;-), gehe ich mal schlafen.

Weiterhin viel Erfolg also!
reverend

PS: Ach so, der Umberto Eco war ganz ernst gemeint. Das Buch heißt auf Deutsch "quasi dasselbe mit anderen Worten" und dreht sich nur um Übersetzungsfragen. Schwer zu lesen, aber gut. Es empfiehlt sich, vorher etwa 6 Sprachen fließend zu lernen und weitere 8-10 wenigstens überblicksweise. Dann schon kann man Eco mit wenig Mühe gut folgen... Aldous Huxley hatte diesen Sprachfimmel auch. Sein einziges Buch, das ein Erfolg wurde, war das, aus dem sein Lektor rigoros alle fremdsprachigen Wörter gestrichen hatte.

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